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Jutta Sievers!

     

 

 

 

 

 

 Pacha Mama - Mutter Erde

 

Vor langer, langer Zeit hat ein Mann, der auf der Suche nach Frieden ist, eine Vision...

Von jetzt an will er wissen, ob es etwas gibt das alle Wesen der Erde miteinander verbindet.

Etwas, das für alle aus ein und derselben Quelle kommt. 

Er glaubt - nein, er ist sich sicher -  wenn die Menschheit sich wirklich an diesen gemeinsamen Ursprung erinnert, dann werden die Unterschiede zwischen ihnen keine Bedeutung mehr haben. Wo Verstehen und Akzeptanz regieren, da haben Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Kriege keinen Platz mehr.

Er studiert Bücher über Bücher, reist rund um die Welt und sucht die weisesten und klügsten Frauen und Männer auf.

Ihnen allen stellt er dieselbe Frage: „Gibt es etwas, das alle Menschen und gleichzeitig alles Leben der Welt miteinander verbindet?“

Viele Antworten bekommt er, sein Wissen wird immer umfangreicher, stellt ihn aber doch nur für kurze Zeit zufrieden.

 Jedes Mal, wenn der Mann sich von seinen Gesprächspartnern verabschiedet, geben ihm seine Gastgeber kleine Geschenke mit auf den Weg: einmal einen geschliffenen Spiegel, ein farbiges Glas, eine schöne Keramik oder ein hauchdünnes Porzellanschälchen.

So ist er auch diesmal wieder tief in seinen Gedanken versunken, als er nach dem Besuch bei einem sehr bedeutenden Gelehrten hinaus auf die Straße tritt.  

Da stößt ihn eine alte Frau an.

Aus einem durch Wind und Wetter gegerbten, faltigen Gesicht sehen ihn freundliche Augen an.

„Komm, begleite mich.“

Der Mann weiß nicht, was er davon halten soll. Ohne so recht zu wissen warum, folgt er der Alten zu einer kleinen Hütte, mitten im nahen Wald.

Schweigend gehen sie nebeneinander.

Die Alte öffnet die Tür und geht hinein. Unschlüssig bleibt der Mann draußen stehen.

Da kommt sie wieder heraus, legt ihm einen kleinen Gegenstand in die linke Hand und schließt seine Finger darum.

Sie sagt: „Ich weiß, was du suchst... Geh zu Pacha Mama, sie wird dir deine Frage beantworten.“ Bevor der Mann etwas erwidern kann, hat sie sich umgedreht und ist in der Hütte verschwunden.

Gleichzeitig erschrocken und erstaunt über die Hellsichtigkeit der Alten öffnet der Mann die Finger seiner linken Hand. Er sieht das Geschenk der Alten: eine kleine Eule aus Bergkristall.

Aus dem Innern der Eule scheint ein helles Licht.

Der Mann will sich bedanken, doch die Tür ist verschlossen. Er klopft gegen das Holz, versucht durch die halbblinden Fensterscheiben ins Innere der Hütte zu sehen. Nichts.

Alles bleibt still. „Wo finde ich Pacha Mama?“ ruft er.

„Folge deinem Herzen und du wirst dein Ziel erreichen“, hört er die Stimme der Alten aus der Hütte. Alle weiteren Fragen, die der Mann nun noch stellt, bleiben unbeantwortet.

Da macht sich er wieder auf den Weg.

 

Viele Tage ist er bereits gewandert. Manchmal redet ihm die Hoffnungslosigkeit ein, er werde sein Ziel nie erreichen und die Zweifel sagen ihm, sicher sei er auf dem falschen Weg.

Und überhaupt sei es unmöglich, dass die Alte wissen konnte, was er will. Wahrscheinlich hat sie sein Gespräch mit dem Gelehrten belauscht.

Dann schilt er sich selbst einen Narren und überlegt, ob er nicht lieber umkehren soll.

Doch tief in seinem Herzen fühlt er eine unbekannte Sehnsucht. Er holt die kleine Eule hervor, sieht in das Licht, das immer noch aus dem Innern des glasklaren Steins leuchtet, findet neuen Mut und geht weiter.

 

Er wandert, und die Landschaften werden kärger und armseliger.  

Tagelang hat er keinen anderen Menschen mehr gesehen. Seine Vorräte sind längst aufgebraucht.

An diesem Tag scheint die Müdigkeit in seinem Körper unerträglich zu werden.

Sein Wasservorrat ist verbraucht und manchmal glaubt er, keinen Schritt mehr weiter gehen zu können. 

Wieder einmal will er zu seinem Trost die Eule hervorholen - aber er findet sie nicht mehr.  

So kommt er an diesem Abend ziemlich verzweifelt an eine Höhle.

Er geht hinein um dort zu übernachten. Er macht es sich so bequem, wie es eben geht. Gerade will er einschlafen, als er eine Stimme hört.

„Sei willkommen.“

 Der Mann schaut sich um, kann aber niemanden sehen.

Ein silberhelles Lachen ertönt. Jetzt erblickt der Mann ein uraltes Mütterchen.

Oder nein, es ist eine junge, schöne Frau…oder doch nicht?

Der Mann ist überzeugt, dass er schon träumt. Vielleicht hat ihm auch die totale Erschöpfung einen Streich spielt und er halluziniert bereits. Was da vor seinen Augen geschieht, das kann nicht wirklich sein…

Die Gestalt und das Alter der Frau ändern sich fortwährend. Nur ihre Augen bleiben gleich.

Diese Augen… wo hat er früher schon einmal diese Augen gesehen?

Jetzt lächelt ihn wieder ein steinaltes Weib an: „Du hast eine lange Reise hinter dir, aber du sollst nicht umsonst gekommen sein. Ich will dir deine Frage beantworten.“

Woher weiß sie, was er von ihr will? Er doch noch kein Wort gesagt?

„Sie hat mir alles erzählt“, sagt das Mütterchen und ist im nächsten Augenblick voll jugendlicher Schönheit. Sie öffnet die schlanken Finger und hat die kleine Kristalleule in ihrer Hand.

 „Sie ist dir voraus geflogen und hat mir dein Kommen angekündigt.“

Die Frau klatscht in die Hände. Im Licht, der aus dem Vogel heraus leuchtet, kann der Mann überall in den Nischen der Höhlenwände die kostbaren Geschenke erkennen, die er im Laufe der Jahre bekommen hat.

Dann stampft sie – die nun wieder wie ein verwitterter Felsen aussieht - mit dem Fuß auf den Höhlenboden. Der öffnet sich wie unter einem Erdbeben.

 

Und alle edlen Gefäße, die kristallenen Spiegel und herrlichen Keramiken, die kostbaren Porzellanschalen und funkelnden Gläser fallen klirrend in die Erdspalte.

Entsetzt stürzt der Mann hinzu und blickt auf den Scherbenhaufen in der Tiefe.

„Warum hast du das getan!“ Seine Augen sind schreckensweit aufgerissenen.

Aber nun steht da vor ihm ein kleines Mädchen, nicht älter als vielleicht 7 Jahre. Sie hüpft vor Vergnügen am Rande des Abgrunds, klatscht begeistert in die Hände und lacht und jauchzt vor lauter Freude.

Der Mann schüttelt verzweifelt mit dem Kopf. Er kämpft nicht weiter gegen das Entsetzen in seinem Innern an. Tränen rinnen über seine Wangen.

„Warum!! Warum??“ stammelt er immer wieder tonlos.

 

Jetzt fühlt der Mann, wie er in den Arm genommen wird. Seine Augen sind so von den Tränen verschleiert, dass er nicht erkennen kann, wie die Frau in diesem Moment gerade aussieht.

Aber es ist gut so. Die Frau streicht über seine Haare, legt ihre Hände über seine Augen und bettet seinen Kopf in ihren Schoß.

Langsam hören seine Tränen auf zu fließen. Sein Herz schlägt ruhiger und er vergisst für einen Moment, was da gerade geschehen ist. Noch nie vorher hat er ein so wunderbares, süßes Gefühl im Körper verspürt. Tief und gleichmäßig atmet er. Frische Kraft durchströmt ihn.

„Wer bist du?“ fragt der Mann nach unendlich langer Zeit.

Wieder hört er dieses leise Lachen. Hell und silbern, wie ein Glockenspiel.

„Weißt du es immer noch nicht?“ kommt die Gegenfrage. Aber sie wartet nicht auf seine Antwort und fährt fort:

„Ich war am Anfang, ich werde noch da sein, wenn du schon lange nicht mehr da bist. Ich bin die ewig Junge und die Uralte. Ich habe dich geboren und ernährt. Ich wache über dich, wohin du auch gehst und was immer du tust. Ich bin deine wahre Mutter und deine Amme, deine Geliebte und deine Tochter, deine Freundin und deine Zerstörerin.“  

„Bist du ... Pacha Mama?"

 

„Ich bin Pacha Mama. Ich bin Mutter Erde.“

Pacha Mamas Gesicht sieht aus wie ein Feld mit tiefen Furchen. Aus ihren Augen leuchtet die Güte.

Jetzt erinnert sich der Mann. Es sind die Augen der Alten aus der Hütte - am Beginn seiner Wanderschaft.

Freundlich und mit unendlicher Liebe sieht sie auf den Mann in ihren Armen.

Der richtet sich nun auf, doch bevor er eine weitere Frage stellen kann spricht Pacha Mama weiter: „Willst du immer noch wissen, welches das Band ist, das alles miteinander verbindet?“ Ihre Stimme ist sehr sanft.  Er nickt.

 

Pacha Mama zieht ihn zur Felsspalte und fordert ihn auf, hinunter zu sehen.

Der Mann spürt kurz einen Stich im Herzen. Er blickt auf die Scherben, tief da unten im Abgrund. Aber nun tut es plötzlich gar nicht mehr weh.

„Sieh hinab“, sagt Pacha Mama, „aus allen Ländern und allen Völkern hat man dir etwas mitgegeben. Etwas Einmaliges. Etwas Zerbrechliches.

Jedes dieser Dinge, sei es ein Glas, ein Spiegel oder eine Keramik, steht für ein Volk, eine Kultur, für seinen Glauben oder seine Suche nach dem Ursprung und Sinn. Und wie jedes Volk aus verschiedenen Menschen besteht, so sind es hier die einzelnen Scherben. Mit Ecken, Kanten und Spitzen,  große und kleine, mit sanften Rundungen und auch gefährlichen Seiten.

Jede Scherbe ist einmalig, unverwechselbar. Und so, wie jede Scherbe, hat auch jedes Menschenkind seine persönliche Aufgabe und singt sein eigenes Lied.“

„ Ja…aber…“ beginnt der Mann.

„Du willst wissen, was sie alle miteinander verbindet?“ Der Mann nickt erneut. 

Pacha Mama holt tief Luft und bläst mit einem mächtigen Atem hinab auf das Scherbenchaos in der Tiefe.

Die einzelnen Teile und  Scherben wirbeln durcheinander und dann ordnen sie sich zu einem herrlichen Mosaik. Eine wunderbare Melodie aus den weiten Fernen des Universums erklingt.

„Würde auch nur eine Scherbe fehlen - und wäre es auch ein noch so kleiner Teil, wäre das Bild unvollkommen. Und würde nur ein Ton fehlen, wäre das Lied der Erde unvollkommen.

Jedes Teil trägt die Erinnerung an das Ganze in sich. Und doch kann niemand den Platz eines anderen einnehmen oder ausfüllen.    

Ihre gemeinsame Quelle ist der Große Geist, die Heilige Einheit. Sie verströmt sich seit dem allerersten Anfang in die Vielfalt aller Wesen.  

Es ist ihr Licht, ihr Klang und ihr Atem, der allen Wesen innewohnt und der alles mit einander verbindet.“

 


 

 

 

  

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